Das dreckige Spiel der NATO

Auf einer Tagung der Heeresflieger der U.S. Army in Tennessee hat ein US-General erklärt, die “Abschreckungsstreitkräfte” der NATO in Osteuropa könnten jederzeit gegen Russland in den Kampf ziehen. Das eine Bedrohung Russlands durch die NATO realistisch ist, ist offensichtlich. Wenn man die Meldungen der letzten Wochen, Monate und Tage betrachtet. Das Russland vor der Nato Angst hat ist wohl nur eine Illusion der Vertreter der Nato. Der Stellvertretende Stabschef des (im polnischen Szczecin / Stettin stationierten) Multinational Corps Northeast der NATO (des Multinationalen Korps Nord-Ost, leitete seinen Vortrag (dessen Folien aufzurufen sind unten mit der Frage ein (siehe Quellen):

 “Fühlt sich Russland wirklich durch die NATO bedroht?”

Brigadegeneral Frank W. Tate gab sich selbst folgende Antwort: “Ich glaube, die russische Führung hat viel mehr Angst davor, dass in einer ehemaligen Sowjetrepublik eine Art ‘Arabischer Frühling’ oder eine bunte Revolution ausbricht, sich ausbreitet und ihre Macht bedroht.” Tate hielt seinen Vortrag am 28. April 2017 auf dem von der Army Aviation Association (der US-Heeresfliegervereinigung, s. http://www.quad-a.org/ ) veranstalteten Army Aviation Mission Solutions Summit (dem Gipfeltreffen der US-Heeresflieger zur Lösung anstehender Aufgaben.

“Einige Leute behaupten, Russland fühle sich bedroht und umzingelt,” fuhr Tate fort. Er glaube das nicht. Die russische Führung mache sich eher Sorgen darüber, dass die russische Bevölkerung den wirtschaftlichen Erfolg und den Wohlstand in Westeuropa auch für sich reklamiere. Deshalb rechne er damit, dass die russische Führung “etwas unternehmen” werde um Aufruhr in der Europäischen Union und Streitigkeiten unter den NATO-Partnern zu verursachen und damit den Erfolg und den Wohlstand in Europa zu beeinträchtigen.

Ein gutes Beispiel für diese These und ein “Weckruf” für die NATO und die USA sei die illegale Annexion der Krim durch Russland gewesen. “Das hat uns zu der Entscheidung veranlasst, der Verteidigung Europas wieder  mehr Aufmerksamkeit zu widmen,” fügte er hinzu. Der Anfang sei im September 2014 auf dem Gipfel in Wales gemacht worden. Dort habe die NATO die Entscheidung getroffen, die Reaktionsfähigkeit ihrer Streitkräfte zu beschleunigen, um schneller auf Bedrohungen aus dem Osten reagieren zu können. Dazu habe z. B. die Bildung von schnellen NATO Reaktionskräften (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Very_High_Readiness_Joint_Task_Force ) gehört, die dazu in der Lage seien, innerhalb von zwei Tagen ihr erstes Bataillon einzusetzen, erläuterte Tate. Es gebe jetzt auch acht integrierte NATO-Einheiten: “Das sind 40-Personen-Teams, die aus Spezialisten der Gastgeberländer und anderer NATO-Staaten bestehen und die schnelle Verlegung von NATO-Streitkräften entlang der Ostgrenze organisieren können.”

Tate fügte hinzu, die NATO habe auch die Einsatzbereitschaft des Multinationalen Korps Nord-Ost, die viele Jahre lang sehr niedrig gewesen sei, stark verbessert. Die Bemühungen würden ergänzt durch eine ganze Reihe von der U.S. Army organisierter Manöver, die im Rahmen der Operation Atlantic Resolve stattfänden.

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“General Hodges (der Kommandeur der U.S. Army Europe in Wiesbaden, s. http://www.eur.army.mil/ ) und sein Team haben es geschafft, die nur noch 30.000 in Europa verbliebenen Soldaten der U.S. Army wie 300.000 aussehen zu lassen – mit einer ganzen Reihe von Manövern, die gemeinsam mit NATO-Partnern in hohem OPTEMPO (Operationstempo) vor allem in Osteuropa durchgeführt wurden,” führte Tate aus. Davon hätten sich die Russen aber nicht beeindrucken lassen. Russische Flugzeuge hätten sich auch weiterhin NATO-Schiffen genähert, den westlichen Luftraum verletzt und die militärische Kommunikation im Ostseeraum immer wieder durch kleinere Cyber-Angriffe gestört.

Deshalb habe die NATO auf ihrem Warschauer Gipfel im Jahr 2016 zusätzliche Maßnahmen beschlossen. “Wir hatten erkannt, dass die vor zwei Jahren beschlossenen Sicherungsmaßnahmen nicht ausreichten und dass wir auf Abschreckung umschalten mussten,” erklärte Tate. “Auf dem Warschauer Gipfel hat die NATO eine weitere wichtige Maßnahme beschlossen – die Bildung von Enhanced Forward Presence Battlegroups.” (von Kampfgruppen zur verstärkten Abschreckung in vorderster Linie, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/NATO_Enhanced_Forward_Presence ). Es gebe vier Battlegroups in Bataillonsstärke, die auch Versorgungseinheiten einschlössen. Die Battlegroup in Estland werde von den Briten, die in Lettland von den Kanadiern, die in Litauen von den Deutschen (s.http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehr-verlegt-panzer-nach-litauen-a-1135689.html ) und die in Polen von den USA geführt. Die von US-Amerikanern und Deutschen geführten Battlegroups seien bereits vor Ort, die von den Briten geführte sei bald und die von den Kanadiern geführte im Sommer einsatzbereit. “Diese Battlegroups in Osteuropa bestehen aus echten Kampftruppen, die sofort losschlagen können. Sie sollen hauptsächlich abschrecken, aber auch kleinere Angriffe feindlicher Truppen bis zur Stärke einer Brigade abwehren können. Sie werden in ständiger Einsatzbereitschaft gehalten,” ergänzte Tate. Außerdem werde die Abschreckung durch die Rotation des 3. Armored Brigade Combat Teams der 4. Infantry Division und der 10. Combat Aviation Brigade / CAB (der 10. Heeresfliegerbrigade, aus den USA nach Osteuropa verstärkt.

Die Einbeziehung der 10. CAB solle Beobachtern deutlich machen, dass mit den USA nicht zu spaßen sei. “Jeder, der Kampfeinsätze der U.S. Army kennt, weiß, dass CABs (mit Kampfhubschraubern) nur dort auftauchen, wo es wirklich ernst wird,” erläuterte Tate. “Weil wir den Russen mit der Entsendung einer CAB zeigen, dass wir zum Kampf bereit sind, wirkt eine solche Maßnahme sehr abschreckend.”

“Für CABs ist die Rotation nach Europa wegen der häufig herrschenden ungünstigen Wetterbedingungen eine echte Herausforderung,” stellte Tate fest. Sie seien vorher jahrelang im Mittleren Osten eingesetzt worden, wo die Flugbedingungen viel besser gewesen seien. “Sie sind ans Fliegen in Wüstengebieten gewöhnt, das andere Anforderungen stellt, aber an 340 Tagen im Jahr möglich ist,” fuhr er fort. Die im Mittleren Osten vorhandene Gefahr sei auch nicht mit der Bedrohung zu vergleichen, die während eines möglichen Konfliktes in Europa von der dort sehr dichten gegnerischen Flugabwehr ausginge. Im Irak und Afghanistan sei der Luftraum verhältnismäßig sicher und der Flugverkehr von vorgeschobenen Basen aus möglich gewesen

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Übungseinsätze der Übungseinsätze der in Ansbach stationierten 12. CAB von Januar 2015 bis März 2016 “In einem Krieg mit Russland werden uns in Osteuropa keine ausgebauten Hubschrauberflugplätze zur Verfügung stehen,” sagte Tate. “Da werden wir viel improvisieren müssen.” Tate erinnerte sich an seine Erfahrungen, die er als junger Leutnant in Korea gesammelt hat: “Dort waren wir über ein großes Gebiet verteilt und mussten die Wartungsarbeiten oft auf freiem Feld ausführen, weil uns noch nicht einmal ein großes Zelt, geschweige denn ein Hangar zur Verfügung stand,” sagte er. “Die verlorengegangenen Erfahrungen von damals müssen wir uns durch entsprechendes Training wieder aneignen.” Deshalb werde die U.S. Army Europe auch 2017 wieder ca. 54 Manöver durchführen, in die auch Hubschrauber einbezogen würden. Daran seien Streitkräfte aus 23 Staaten und 6 Flugplätze in fünf verschiedenen Ländern beteiligt. Geübt würden Einsätze mit Survival-Westen und das Abseilen und Einholen von Kommandotrupps in schwierigem Gelände. Weil die dazu benötigte Zusatzausstattung nicht in jeder nach Europa rotierende CAB vorhanden sei, müsse überlegt werden, ob man die benötigten Gerätschaften nicht einmal nach Europa schaffe und für alle nachfolgende CABs dort belasse. “Wir werden uns wahrscheinlich dazu entschließen, das erforderliche Equipment nach Europa zu bringen und dort verfügbar zu halten,”  sagte Tate. Die Fahrzeuge müssten für den Straßenverkehr in europäischen Staaten zugelassen sein, und durch die sehr unterschiedlichen Bestimmungen für Gefahrguttransporte entstünden zusätzliche Probleme. “Jeder Lastwagen, der Kraftstoff, Munition, Explosivstoffe oder andere gefährliche Stoffe transportiert, muss entsprechend zertifiziert werden,” berichtete er. “Wir haben 500.000 Dollar ausgegeben und mehrere Monate gebraucht, bis wir alle Fahrzeuge und Schwerlasttransporter der 10. CAB zertifiziert hatten. Würde es da Sinn machen, ihre gesamte Ausrüstung wieder in die USA zurückzubringen und bei der nächsten nach Europa rotierenden CAB vor dem gleichen Problem zu stehen?” fragte Tate. In Europa fliegende Hubschrauber des Typs UH-60 (Black Hawk, s. https://de.wikipedia.org/wiki/Sikorsky_UH-60 ) müssten außerdem mit dem RNAV-Navigationssystem (s. https://www.ivao.de/kompendium/Fl%C3%A4chennavigation. ) ausgerüstet sein, um hier überhaupt starten zu dürfen. “Ich weiß, dass unsere Techniker … an dem Problem arbeiten und es bis August lösen werden. Auch bei den umgerüsteten UH-60 erhebt sich dann die Frage, ob sie (nach dem Rotationseinsatz) mit der 10. CAB in die USA zurückkehren oder hier verbleiben sollen? Das muss noch geklärt werden.” Tate wies auch darauf hin, dass die Regeln für den Transport von Soldaten, Militärfahrzeugen und Fluggerät über Landesgrenzen hinweg in Europa nicht einheitlich, sondern sehr unterschiedlich seien. Die Bestimmungen des Schengener Abkommens (s. https://de.wikipedia.org/wiki/Schengener_Abkommen ) würden leider noch nicht für das Militär gelten. “Auch da machen wir riesige Fortschritte, wir sind aber noch nicht da, wo wir hinkommen müssen. Als ich vor zwei Jahren in Polen ankam, brauchten wir für die Überführung eines Militärfahrzeuges von Deutschland nach Polen 28 Arbeitstage. Jetzt schaffen wir das meistens in drei Arbeitstagen.”

So “schnell” gehe es aber noch nicht überall in Osteuropa.

Außerdem wollten einige europäische Staaten ihre Grenzen wieder schließen. Deshalb müsse das Schengener Abkommen, das jetzt nur für Zivilisten gelte, unbedingt auf Militärs ausgeweitet werden.

“Das muss geschehen, damit alle NATO-Truppen, auch die der USA, möglichst schnell überall hingebracht werden können, wo sie in Europa gebraucht werden,” forderte Tate. Zurzeit sei das noch nicht möglich, es gebe aber auch auf diesem Gebiet Fortschritte.

Analysiert man diese Aussagen genau, ist dies nichts anderes als die Vorbereitungen der Bodentruppen der USA und der anderen NATO-Staaten auf einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Russland.

Quelle:

The Official Homepage of the United States Army Europe, 03.05.17
https://www.army.mil/article/187084/deterrent_forces_ready_to_fight_tonight_in_europe_
general_says

https://de.wikipedia.org/wiki/Multinationales_Korps_Nord-Ost
und http://mncne.pl/

http://www.quad-a.org/2016Summit/images/429ppts/Sat_30_Apr_0900_Tate.pdf

http://www.quad-a.org/2016Summit/index.php/2016-
04-26-21-08-42/bg-frank-w-tate

http://www.quad-a.org/2016Summit/index.php

http://www.quad-a.org/

https://de.wikipedia.org/wiki/Very_High_Readiness_Joint_Task_Force

https://de.wikipedia.org/wiki/NATO_Enhanced_Forward_Presence

http://www.spiegel.de/politik/ausland/bundeswehr-verlegt-panzer-nach-litauen-a-1135689.html

Grafiken:
http://www.quad-a.org/2016Summit/images/429ppts/Sat_30_Apr_0900_Tate.pdf

 

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