JEMEN: Der vergessene Krieg

Seit einem Jahr wird im Jemen gemordet und keiner schaut hin.

Es verhungern Millionen Kinder und Frauen und es schaut keiner hin.

Seit einem Jahr bombardiert eine von Saudi-Arabien geführte Koalition den Jemen mit dem Ziel, die Huthi-Rebellen zurückzudrängen und den gestürzten Präsidenten Hadi wiedereinzusetzen. Der Krieg ist gekennzeichnet von massiven Kriegsverbrechen der Saudis. Westliche Staaten beteiligen sich aktiv an diesen Verbrechen.

„Menschen mit Behinderung werden in ihren Wohnheimen angegriffen. Kannst Du Dir vorstellen, dass sie blinde Menschen angreifen? Was für ein Verbrechertum ist das? Warum? Sind es etwa die Blinden, die diesen Krieg führen?“

Systematische Kriegsverbrechen – das Elend der Bevölkerung

Als eine der wenigen internationalen Journalisten im Jemen, berichtet [1] Iona Craig für The Intercept vor Ort und malt das düstere Bild eines erbarmungslosen Krieges gegen die jemenitische Zivilbevölkerung. Saudi-arabische Kampfjets würden in erster Linie dicht besiedelte Wohngegenden, Marktplätze und zivile Infrastruktur angreifen.

Es gibt keine verlässlichen Angaben zu Opferstatistiken. Je nach Quelle schwanken die Zahlen, belaufen sich jedoch auf mehrere Tausend Tote, die Hälfte Zivilisten, und mehrere Zigtausend Verletzte. Die Dunkelziffer ist hoch. 2,3 Millionen Jemeniten sind im eigenen Land auf der Flucht [2], 121 Tausend in den Nachbarländern.

Eine Untersuchung der Vereinten Nationen [3] beklagt die verheerende Lage der Zivilbevölkerung. Vier von fünf Menschen im Jemen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Über drei Viertel haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Die UN bezeichnen die Situation als „humanitäre Katastrophe“

Die Lage im Jemen wird von Tag zu Tag schlimmer und keiner in den Westlichen Ländern nimmt Kenntnis von diesen Völker Mord und dem Elend dieser Menschen. Es fehlt an allem. Angefangen von Babynahrung uber Trinkwasser und… . Die Kinder und Frauen verhungern täglich.

Bereits wenige Wochen nach Beginn der saudischen Bombardements [4] wies der iranische Außenminister Javad Zarif in einem Brief an den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon auf die „extrem beunruhigende Situation“ der jemenitischen Zivilbevölkerung und die „humanitäre Krise“ hin, und verurteilte die „Sinnlosigkeit“ saudischer Luftschläge, die in erster Linie gegen „rein zivile Infrastruktur“ gerichtet sind: „Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Lebensmittelfabriken, Kraftwerke […] Wohnviertel, Flüchtlingslager.“

Die Zerstörung der Infrastruktur und vor allem auch die Seeblockade [5] des Jemens, die die Bevölkerung von Hilfslieferungen abschneidet, haben zur Folge, dass mehr als die Hälfte der Jemeniten vom Hunger bedroht ist [2], 320.000 Kinder sind schwerst unterernährt.

Die saudi-geführte Koalition nimmt systematisch jemenitische Krankenhäuser unter Beschuss [6], insgesamt mehr als 130, darunter auch mehrere Einrichtungen [7] von Ärzte ohne Grenzen. „Jemens Gesundheitssystem liegt in Stücken.“ Verletzte trauen sich oft nicht mehr, zum Arzt zu gehen. Krankheiten wie Polio, Dengue-Fieber und Diarrhö sind wieder auf dem Vormarsch.

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Der vorsätzliche Angriff auf Schulen […] stellt Kriegsverbrechen dar.”

Konfliktakteure

Den meisten Beobachtern zufolge führt Saudi-Arabien im Jemen einen Stellvertreterkrieg um die regionale Vorherrschaft. Es unterstellt dem Iran, die Huthis zu unterstützen, beziehungsweise den Huthis, im Auftrag Teherans zu handeln. Im Kontext des Nuklearabkommens mit dem Iran vom Sommer 2015 befürchtet das Königreich dessen Erstarken, sobald die Sanktionen fallen, und möchte durch kriegerische Erfolge gegen eine Iran nahestehende Kraft, die Huthis, ein deutliches Zeichen gegen dessen Bemühungen um weiteren Einfluss in der Region setzen. Saudi-Arabien scheint regional Stärke zeigen und sich an die Spitze sunnitisch geführter arabischer Staaten im Kampf gegen den iranischen Machtzuwachs setzen zu wollen. Innenpolitisch geht es König Salman wohl zum einen um die Legitimierung des Bruchs mit der horizontalen Thronfolge und der Ernennung seines sehr jungen und unerfahrenen Sohnes zum Verteidigungsminister und Vize-Thronfolger, insbesondere gegenüber Kritikern aus der eigenen Familie. Zum anderen ist der Konflikt im Jemen eine Möglichkeit für das Königshaus, von sozioökonomischen Problemen im Inland (unter anderem steigende Arbeitslosigkeit, niedrigere Staatseinnahmen aufgrund des gesunkenen Ölpreises) abzulenken. Im Jemen selbst scheint es dem Königreich um die Schwächung der als Bedrohung wahrgenommenen schiitischen Huthis zu gehen – man will keinen schiitisch dominierten Staat an der eigenen Südflanke. Des Weiteren ist das Agieren Riads sicherlich auch eine Konterrevolution im weiteren Sinne. Wie insbesondere anhand der GKR-Initiative deutlich wird, wünscht man sich in Riad den Status quo ante von vor 2011 zurück mit Eliten an der Macht, die es durch seine Petrodollar beeinflussen kann. In seinem militärischen Vorgehen erhält Saudi-Arabien nicht nur Unterstützung von Seiten seiner arabischen Partner, sondern auch von westlichen Staaten – allen voran Frankreich, Großbritannien, und die USA –, die offenbar bereit sind, das Dauerbombardement durch die saudisch geführte Koalition mit Waffenlieferungen zu unterstützen.

Inwieweit der Iran jedoch tatsächlich die Huthis auch mit Waffen unterstützt und die saudischen Vorwürfe zutreffen, ist umstritten und bisher nicht bewiesen. Bis Anfang 2015 rangierte der Jemen in der iranischen Außenpolitik unter ferner liefen, es gab jedoch Unterstützung für die Huthis in Form von strategischer und auch militärischer Beratung, womöglich auch finanzieller Natur. Nach dem Rücktritt der Regierung und der „konstitutionellen Erklärung“ der Huthis baute der Iran die Kooperation jedoch weiter aus, etwa durch die Einrichtung von Direktflügen zwischen Sana‘a und Teheran bis März 2015. Seit Beginn der Operation Decisive Storm ist zwar rhetorisch eine größere iranische Unterstützung für die Huthis im Jemen zu beobachten, dies scheint sich jedoch nicht in erhöhter materieller Unterstützung zu manifestieren. Insgesamt kann festgehalten werden, dass derzeit auch Iran großes innen- und regionalpolitisches Kapital aus dem Erstarken einer schiitischen Kraft im Jemen schlägt, ohne hier selbst allzu viel zu investieren.

Innerhalb der saudisch geführten Koalition sind neben Ägypten und Katar vor allem die VAE von großer Bedeutung für den Konflikt im Jemen. Die Rückeroberung Adens von den Huthi/Salih-Milizen ist zu einem großen Teil auch dem Einsatz emiratischer Kräfte zu verdanken, die mittlerweile jedoch größtenteils wieder aus Aden abgezogen sind, auch, um eigene Verluste zu vermeiden. Sie setzen sich derzeit unter anderem für die Bekämpfung militanter Islamisten (AQAP/IS) in Aden ein, indem sie jemenitische Soldaten ausbilden, Waffen liefern, sich um eine Einigung des südlichen Widerstands bemühen und auch eigene militärische Kräfte (unter anderem Söldner aus Kolumbien) einsetzen.

Als letzter wichtiger regionaler Akteur ist Oman zu nennen. Das Sultanat hat sich bereits in der Vergangenheit – aufgrund seiner geographischen Nähe zum Iran – stets darum bemüht, sich nicht in die Golf-Iran-Dichotomie hineinziehen zu lassen. Stattdessen versucht Oman, in enger Abstimmung mit den VN, Verhandlungen zwischen den Konfliktparteien zu ermöglichen. Dieser vermeintliche Sonderweg innerhalb des GKR wird von Riad jedoch mit großem Misstrauen gesehen.

Geopolitik hinter dem Krieg im Jemen

Die USA und das Königreich Saudi-Arabien waren sehr beunruhigt, als die jemenitische Bewegung der Huthi – die Ansarallah, was auf Arabisch Soldaten Allahs heißt [8] – im September 2014 die Kontrolle über die jemenitische Hauptstadt Sanaa übernahmen. Der von den USA unterstützte jemenitische Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi [9] musste nachgeben und seine Macht mit den Huthis und einer Koalition von Stämmen aus dem nördlichen Jemen teilen, die sich mit den Huthis verbündet hatten. Hadi hatte sich zu Verhandlungen über eine nationale Einheitsregierung für den Jemen bereit erklärt, und seine Unterstützer USA und Saudi-Arabien wollten den Nationalen Dialog [10] dazu nutzen, die Huthis einzubinden und zu besänftigen.

Die Wahrheit über den Krieg im Jemen wurde auf den Kopf gestellt. Der Krieg und die Vertreibung des Präsidenten im Jemen sind nicht die Folge des “Huthi-Staatsstreichs”, sondern das Gegenteil. Hadi wurde vertrieben, weil er mit Unterstützung der Saudis und der USA die Abmachung über die Teilung der Macht rückgängig machen und den Jemen wieder allein und autoritär regieren wollte. Die Vertreibung des Präsidenten Hadi durch die Huthis und ihre politischen Verbündeten war nur die Reaktion auf die von Hadi mit der Unterstützung Washingtons und des saudischen Königshauses geplante erneute Alleinherrschaft.

Die Huthis und ihre Verbündeten stellen einen repräsentativen Querschnitt durch die jemenitische Gesellschaft und die darin herrschenden Mehrheitsverhältnisse dar. Zu dem Huthi-Bündnis gegen Hadi, das im Jemen selbst entstanden ist, gehören sowohl schiitische als auch sunnitische Muslime. Die USA und das saudische Königshaus haben nicht damit gerechnet, dass es den Huthis gelingen würde, Hadi zu entmachten, und die haben ja auch zehn Jahre dafür gebraucht. Zusammen mit dem saudischen Königshaus hat Hadi schon die Huthis bekämpft und jemenitische Stämme manipuliert, bevor er überhaupt Präsident wurde. Als er Präsident geworden war, verschleppte er die Umsetzung der Maßnahmen, die nach der Entmachtung Ali Abdullah Salihs [11] im Jahr 2011 im Nationalen Dialog für den Jemen ausgehandelt worden waren.

Der Jemen und das sich ändernde strategische Gleichgewicht im Nahen Osten

Die Machtübernahme der Huthis in Sanaa fand im gleichen Zeitraum statt, in dem der Irandie Hisbollah, Syrien und der Widerstandsblock, den sie gemeinsam mit anderen lokalen Kräften bilden, weitere Erfolge verbuchen konnten. In Syrien konnte die syrische Regierung ihre Position festigen, und im Irak gelang es, mit Hilfe von Teheran unterstützter irakischer Milizen die ISIL/ISIS/Daesh-Mörder zurückzudrängen.

Das strategische Gleichgewicht im Nahen Osten verschiebt sich, weil der Iran immer wichtiger für die Sicherheitsarchitektur und die Stabilität wird. Dem saudischen Königshaus und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu passt es nicht, dass der Iran in Beirut, Damaskus, Bagdad und Sanaa, also schon in vier Hauptstädten der Region, immer mehr Einfluss gewinnt; sie mussten etwas tun, um die iranische Expansion zu stoppen. Infolge des veränderten strategischen Gleichgewichts haben sich die Israelis und das saudische Königshaus mit dem gemeinsamen strategischen Ziel verbündet, den Iran und seine regionalen Verbündeten zu bekämpfen. “Wenn sich die Israelis mit Arabern verbünden, sollten die Nachbarn aufpassen,” sagte der israelische Botschafter Ron Dermer am 5. März in der TV-Sendung Fox News zur neuen Allianz zwischen Israel und Saudi-Arabien.

Die von den Israelis und den Saudis gemeinsam betriebene Angstmacherei scheint aber nicht mehr zu wirken. Bei einer Meinungsumfrage, die stattfand, als Netanjahu in Washington gegen einen Atom-Deal mit dem Iran wetterte, bezeichneten nur noch 9 Prozent der befragten US-Bürger den Iran als größten Feind der USA.

Die von der US-Regierung und den Saudis mit dem Krieg im Jemen verfolgten strategischen Ziele

Während das saudische Königshaus den Jemen schon immer als untergeordnete Provinz und Teil seiner Einflusssphäre betrachtet hat, wollen die USA auch weiterhin die Meerenge Bab Al-Mandab den Golf von Aden und die Sokotra-Inseln kontrollieren. Der Bab al-Mandab ist ein wichtiges strategisches Nadelöhr für den internationalen Seehandel und den Öltransport aus dem Persischen Golf über das Arabische und das Rote Meer ins Mittelmeer. Diese Meerenge ist ebenso wichtig für die Seeschifffahrt und den Handel zwischen Afrika, Asien, und Europa wie der Suezkanal.

Auch Israel ist betroffen, weil die Macht, die den Jemen kontrolliert, auch seine U-Boote daran hindern könnte, durch das Rote und das Arabische Meer in den Persischen Golf vorzudringen und den Iran zu bedrohen. Deshalb hat Netanjahu, als er am 3. März auf dem Capitol Hill in seiner Rede vor den US-Kongress über den Iran gesprochen hat, auch auf die notwendige Kontrolle über den Jemen hingewiesen; die New York Times war die einzige US-Zeitung, die in ihrer Ausgabe vom 4. März Netajahus Rede “wenig überzeugend” fand.

Saudi-Arabien fürchtet sich offensichtlich davor, dass der Jemen völlig unter den Einfluss des Irans gerät, weil der dann auf der arabischen Halbinsel Unruhen gegen das saudische Königshaus schüren könnte. Das befürchten auch die USA, denken dabei aber auch an globale Konkurrenten. Sie wollen verhindern, dass neben dem Iran auch Russland oder China eine strategisch wichtige Position im Jemen beziehen, von der aus sie den Bab al-Mandab und den Golf von Aden überwachen könnten.

Die strategische Bedeutung des Jemen bei der Überwachung wichtiger Seewege wird noch erhöht durch die Raketen, über die sein Militär verfügt. Im Jemen abgefeuerte Raketen können jedes Schiff im Bab al-Mandab oder im Golf von Aden treffen. Deshalb dienen saudische Angriff auf die Raketendepots des Jemen auch den Interessen der USA und Israels. Die Raketen sollen nicht nur zerstört werden, damit sie nicht zur Abwehr saudischer Angriffe verwendet werden können, sie sollen auch nicht in die Hände des Irans, Russlands oder Chinas fallen.

Das Verhalten des saudischen Königshauses im Jemen steht in totalem Widerspruch zu seiner Syrien-Politik. (Während es in Syrien den Sturz Assads betreibt und dessen Gegner unterstützt), droht es den Huthis und ihren politischen Verbündeten mit weiterer militärischer Gewalt, wenn sie nicht mit Hadi verhandeln. Als Reaktion auf die saudischen Drohungen gab es am 25. März im Jemen zahlreiche Proteste gegen das saudische Königshaus. Weil die USA, Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar Hadi wieder zur Macht verhelfen wollen, haben sie im Nahen Osten einen weiteren Krieg angezettelt.

Den Krieg im Jemen führen die Saudis eigentlich gegen den Iran

Trotz des ganzen Geredes über Saudi-Arabien als regionale Militärmacht ist es allein zu schwach, um sich mit dem Iran anzulegen. Das saudische Königshaus strebt deshalb ein regionales Bündnis an, das stark genug für eine Konfrontation mit dem Iran und dessen Verbündeten ist. Es will Saudi-Arabien mit Ägypten, der Türkei und Pakistan zu einer fälschlicherweise als “sunnitische Achse” bezeichneten Allianz gegen den Iran und dessen regionale Verbündete vereinigen.

Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, [12] der Kronprinz des Emirates Abu Dhabi und Stellvertretende Kommandeur der Streitkräfte der Vereinigten Arabischen Emirate, hat am 17. März Marokko besucht, um über eine kollektive Militäraktion der arabischen Ölscheichtümer, Marokkos, Jordaniens und Ägyptens gegen den Jemen zu beraten. Am 21. März hat er mit dem saudischen König Salman ibn Abd al-Aziz [13] über eine militärische Reaktion auf die Vorgänge im Jemen gesprochen. Gleichzeitig hat Hadi Saudi-Arabien und den Golf Cooperation Council / GCC[14] um eine militärische Intervention im Jemen gebeten. Nach den Treffen fand noch ein Gespräch über einen neuen regionalen Sicherheitspakt der arabischen Ölscheichtümer statt.

Von den fünf Mitgliedern des GCC nahm nur das Sultanat Oman nicht an diesem Gespräch teil. Oman will sich nicht an dem Krieg gegen den Jemen beteiligen. Oman mit seiner Hauptstadt Maskat unterhält freundschaftliche Beziehungen zu Teheran. Außerdem lehnt der Oman die Taktik der Saudis und des GCC ab, konfessionelle Unterschiede als Begründung für eine Konfrontation mit dem Iran und dessen Verbündeten zu missbrauchen. Die Mehrheit der Bewohner Omans ist weder sunnitisch, noch schiitisch; als Ibaditen [15] wollen sie sich aus weiteren vom saudischen Königshaus und den anderen arabischen Ölscheichtümern angefachten “Konfessionskriegen” heraushalten.

Saudische Propagandisten hetzten zum Krieg (gegen den Iran) – mit der falschen Behauptung, der Iran wolle Saudi-Arabien einkreisen. Auch die Türkei will sich an dem Krieg gegen den Jemen beteiligen. An dem Tag, an dem die Luftangriffe begannen, erklärte der türkische Präsident Erdogan, weil der Iran versuche, die ganze Region zu dominieren, müssten sich die Türkei, Saudi-Arabien und der GCC gemeinsam dagegen zur Wehr setzen.

Während dieser Vorgänge stellte der ägyptische Präsident Sisi fest, Kairo habe das gleiche Sicherheitsbedürfnis wie Saudi-Arabien und die arabischen Ölscheichtümer. Am 25. März hatte Kairo noch erklärt, es werde sich nicht am Krieg gegen den Jemen beteiligen, aber schon einen Tag später griffen auch ägyptische Kriegsschiffe und Kampfjets den Jemen an.

Auch der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif erklärte am 26. März, jede Bedrohung Saudi-Arabiens werde eine heftige Reaktion Pakistans bewirken. Diese Warnung war natürlich an den Iran gerichtet.

Die Rollen der USA und Israels im Krieg gegen den Jemen

Am 27. März wurde im Jemen bekannt, dass auch Israel den Angriff Saudi-Arabiens auf das arabische Nachbarland unterstützt. “Das ist das erste Mal, dass die Zionisten bei einer gemeinsamen Operation mit Arabern kollaborieren,” schrieb Hassan Zayd, der Chef der jemenitischen Al-Haq-Partei [16] im Internet, um auf die Interessengleichheit zwischen Saudi-Arabien und Israel hinzuweisen. Die israelisch-saudische Allianz gegen den Jemen ist jedoch nicht neu. Die Israelis haben das saudische Königshaus Haus bereits während des Bürgerkrieges im Nordjemen ab 1962 unterstützt, indem sie den Saudis Waffen für den Kampf der Royalisten gegen die Republikaner im Nordjemen lieferten. [17]

Auch die USA mischen im Hintergrund mit. Während sie einen Atom-Deal mit dem Iran aushandeln, helfen sie gleichzeitig den Saudis beim Schmieden ihres Bündnisses gegen Teheran. Das Pentagon stellt dem saudischen Königshaus “geheimdienstliche und logistische Unterstützung” zur Verfügung. Der Krieg der Saudis gegen den Jemen ist auch Washingtons Krieg. Der GCC hat sich nur auf Druck der USA zum Angriff auf den Jemen entschlossen.

Gespräche über die Bildung einer panarabischen militärischen Streitmacht gab es schon lange, tatsächlich beschlossen hat sie die Arabische Liga [18] aber erst am 9. März. Die Schaffung einer vereinigten arabischen Militärmacht dient vor allem den Interessen der USA, Israels und Saudi-Arabiens. Die Gründung panarabischer Streitkräfte wurde durch die Vorbereitung eines Angriffs auf den Jemen beschleunigt; dabei geht es nicht nur darum, Hadi wieder zur Macht zu verhelfen, sondern vor allem um die Bildung eines Gegengewichtes gegen den Iran, Syrien, die Hisbollah, und den aus ihnen bestehenden regionalen Widerstandsblock.

Somit wird der Völkermord im Jemen weitergeführt, genau wie in Syrien und der Ukraine. Keiner stoppt dieses Verbrechen. Selbst Deutschland beteiligt sich indirekt an diesen Völkermord. In dem es Waffen an diese Kriegstreiber liefert.

Querverweise :

[1] N THE ISLAMIC CONCEPT
https://theintercept.com/2015/09/01/yemen-hidden-war-saudi-coalition-killing-civilians/

[2] 2016 Humanitarian Needs Overview
http://reliefweb.int/report/yemen/2016-humanitarian-needs-overview-enar

[3] Durable ceasefire needed as ‘humanitarian catastrophe’ leaves millions suffering in Yemen – UN relief chief
http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=51516#.V-aJra1Ttyb

[4] United Nations Security Council
http://www.securitycouncilreport.org/atf/cf/%7B65BFCF9B-6D27-4E9C-8CD3-CF6E4FF96FF9%7D/s_2015_263.pdf

[5] Arab coalition slowing aid efforts in Yemen: U.S. Navy report
http://www.reuters.com/article/us-yemen-security-aid-coalition-idUSKCN0S81LT20151014

[6] Bombing of schools by Saudi Arabia-led coalition a flagrant attack on future of Yemen’s children
https://www.amnesty.org/en/latest/news/2015/12/bombing-of-schools-by-saudi-arabia-led-coalition-in-yemen/

[7] Yemen’s healthcare system left in tatters due to Saudi bombing campaign – supported by Britain
http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/yemens-healthcare-system-left-in-tatters-due-to-saudi-bombing-campaign-that-the-uk-supported-a6833546.html

[8] Huthi-Konflikt
https://de.wikipedia.org/wiki/Huthi-Konflikt

[9] Abed Rabbo Mansur Hadi
https://de.wikipedia.org/wiki/Abed_Rabbo_Mansur_Hadi

[10] Unterstützung des Nationalen Dialogprozesses im Jemen
http://www.berghof-foundation.org/de/programme/naher-osten-nordafrika/nationaler-dialogprozess-im-jemen/

[11] Ali Abdullah Salih
https://de.wikipedia.org/wiki/Ali_Abdullah_Salih

[12] Muhammad bin Zayid Al Nahyan
https://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_bin_Zayid_Al_Nahyan

[13] Salman ibn Abd al- Aziz
https://de.wikipedia.org/wiki/Salman_ibn_Abd_al-_Aziz

[14] Golf-Kooperationsrat
https://de.wikipedia.org/wiki/Golf-Kooperationsrat

[15] Ibaditen
https://de.wikipedia.org/wiki/Ibaditen

[16] Generalsekretär der „Al Haq-Partei“: Saudi Arabien verhindert Frieden in Jemen
http://german.irib.ir/nachrichten/politik/item/90727-generalsekret%C3%A4r-der-al-haq-partei-saudi-arabien-verhindert-frieden-in-jemen

[17] Muhammad al-Badr
https://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_al-Badr

[18] Arabische Liga
https://de.wikipedia.org/wiki/Arabische_Liga

Quellen:
Augustin, Anne-Linda Amira (2015), Aden wird siegen. Der Südwiderstand, in: inamo 21 (83), S. 11-16.

Brehony, Noel und Saud al-Sarhan (Hrsg.), Rebuilding Yemen. Political, economic and social challenges. Berlin.

Gause, Gregory (1990), Saudi-Yemeni Relations: Domestic Structures and Foreign Influence, New York.

Heinze, Marie-Christine (2015), Krieg im Jemen. Fronten, Akteure, Ausblick, in: inamo 21/83, S. 4-10. On

line verfügbar unter: https://www.academia.edu/17335762/Krieg_im_Jemen._Fronten_Akteure_Ausblick

Heinze, Marie-Christine (2015), From the margins of Yemen into the heart of the country, from FIST-fights on Change Square to control of the capital city. Spatial manifestations of the Ḥūthī ascension to power, in:

Conermann, Stephan/ Smolarz, Elena (Hrsg.): Mobilizing religion. Networks and mobility, Berlin, (Bonner Asienstudien 12), S. 21-64.

Heinze, Marie-Christine (2014), Jemen. Akteure, Faktoren, Szenarien. CARPO – Center for Applied Research in Partnership with the Orient (CARPO Report, 01). Online verfügbar unter: http://carpo-bonn.org/wp-content/uploads/2015/07/CARPO-Report-1-Heinze.pdf

International Crisis Group (27. März 2015), Yemen at War, Middle East Briefing Nr. 45. Online verfügbar unter: http://www.crisisgroup.org/~/media/Files/Middle%20East%20North%20Africa/Iran%20Gulf/Yemen/b045-yemen-at-war.pdf

Lackner, Helen (Hrsg.), Why Yemen matters. A society in transition, London.
Salisbury, Peter (2015): Yemen and the Saudi-Iranian Cold War, Chatham House. Online verfügbar unter: https://www.chathamhouse.org/sites/files/chathamhouse/field/field_document/20150218YemenIranSaudi.pdf

Sons, Sebastian (2. April 2015). Riad setzt auf Risiko. Saudi-Arabien und der Krieg in Jemen, in: Zenith 01/2015. Online verfügbar unter: http://www.zenithonline.de/deutsch/politik/a/artikel/riad-setzt-auf-risiko-004391/

Steinberg, Guido (2015), Avantgarde des internationalen Terrorismus. Die jemenitische al-Qaida profitiert trotz Rückschlägen vom Bürgerkrieg, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP-Aktuell, 87). Online verfügbar unter: http://www.SWP-berlin.org/fileadmin/contents/products/aktuell/2015A87_sbg.pdf

Transfeld, Mareike (2015), Political bargaining and violent conflict. Shifting elite alliances as the decisive factor in Yemen’s transformation, in: Mediterranean politics. Online verfügbar unter: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13629395.2015.1081454

Mahdi Darius Nazemroaya, Strategic Culture Foundation, I und II 30./31.03.2015; Übersetzung: Luftpost, 14.04.2015.
https://wikispooks.com/wiki/Mahdi_Darius_Nazemroaya

Jemen: Krieg, Genozid und Geopolitik
http://strategische-studien.com/2015/09/12/jemen-krieg-genozid-und-geopolitik/

Schweigen im Wald – Der vergessene Krieg im Jemen
http://lowerclassmag.com/2015/04/schweigen-im-wald-der-vergessene-krieg-im-jemen/

Warum Krieg gegen den Jemen jetzt?
http://www.heise.de/tp/artikel/44/44602/1.html

König Salman stimmt auf langen Krieg im Jemen ein
http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/saudi-arabien-koenig-salman-stimmt-auf-langen-krieg-im-jemen-ein-13511212.html

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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